Lehramts-Bachelor

Das Lehramt für die Schulformen Gymnasium/Gesamtschule und Berufskolleg ist an der Fachgruppe Physik angesiedelt und fällt in die „Zuständigkeit“ der Fachschaft Physik. Alles Weitere bezieht sich auf diese Studiengänge.

Das Physik-Lehramt für alle anderen Schulformen (Haupt-, Realschule/Gesamtschule und Sonderpädagogik) ist am Institut für Physik und ihre Didakitk angesiedelt und fällt in die „Zuständigkeit“ der Fachschaft Physikdidaktik.

Das Lehramtsstudium besteht aus drei Teilen, den beiden Unterrichtsfächern und den Bildungswissenschaften. (Im Lehramt Gymnasium / Gesamtschule kann eines der beiden Unterrichtsfächer gegen eine sonderpädagogische Fachrichtung ersetzt werden. Im Lehramt Berufskolleg kann das Unterrichtsfach Physik entweder mit einer beruflichen oder einer sonderpädagogischen Fachrichtung kombiniert werden.) In welchem dieser drei Teile ihr eure Bachelor-Arbeit schreibt, könnt ihr euch selbst aussuchen. (Wer im Unterrichtsfach Physik seine Bachelorarbeit schreibt, kann sich wiederum entweder für ein fachwissenschaftliches oder ein fachdidaktisches Thema entscheiden.)

1 Das Physikstudium in Köln

Das Physik-Studium an der Uni Köln zielt auf eine gründliche Erarbeitung der Physik in ihrer gesamten Breite und das Erlernen selbständigen wissenschaftlichen Arbeitens in kollegialen Zusammenhängen – das gilt auch für das Lehramtsstudium. Gerade im Lehramt schließt sich an das Bachelorstudium fast immer ein Master-Studium und auch häufiger eine Promotion an. Eine Spezialisierung auf bestimmte Bereiche de>Der Studiengang ist bewusst so konzipiert, dass ein großer Austausch mit anderen Fächern und Studierenden aus anderen Studiengängen besteht. Es ist verhältnismäßig einfach zwischen „benachbarten“ Studiengängen zu wechseln (z.B. Lehramt – nicht-Lehramt, Physik – Mathe, Physik – Geophysik, Physik – Meteorologie).

1.1 Experimentalphysik und Theoretische Physik

Etwa seit Beginn des 20. Jahrhunderts haben sich vor allem in Deutschland in der Physik zwei verschiedene Tradierungen entwickelt, die Experimentalphysik und die Theoretische Physik. Die Experimentalphysik erweitert und systematisiert das physikalische Wissen vom Experiment ausgehend, die Theoretische Physik strukturiert mit Hilfe von Mathematik die bereits bestehenden phänomenologischen Kenntnisse und erarbeitet Darstellungen, die besonders gut auf bestimmte Fragestellungen zugeschnitten sind.

Im Physik-Bachelor-Studium in Köln sollen beide Tradierungen gleichberechtigt und eigenständig kennen gelernt und sich die je spezifischen Arbeitsweisen angeeignet werden. Dabei gibt es inhaltlich weitreichende Überschneidungen, weil es ja gerade um verschiedene Zugänge zu den gleichen Phänomenen geht:

Physikalischer Bereich Experimental-Vorlesung Theorie-Vorlesung
Mechanik Experimentalphysik I Theoretische Physik in 2 Semestern I
Elektrodynamik, spezielle Relativität Experimentalphysik II Theoretische Physik in 2 Semestern I
Quantenmechanik Experimentalphysik III Theoretische Physik in 2 Semestern II
Thermodynamik / Wärmelehre Experimentalphysik I Theoretische Physik in 2 Semestern II

In der Regel ist es sinnvoll (aber nicht zwingend notwendig), die jeweilige Experimentalphysik-Vorlesung vor oder wenigstens parallel zur der jeweiligen Theorie-Vorlesung zu hören.

1.2 Mathematik im Physikstudium

Seit Beginn der Neuzeit ist die Physik ohne Mathematik nicht denkbar; sie ermöglicht es, Sprachen und Darstellungen zu finden, in denen die physikalischen Fragestellungen und Erkenntnisse überhaupt erst formulier-, kommunizier-, und systematisierbar, also rationalisierbar sind. Dementsprechend sind auch historisch die Entwicklung von Physik und Mathematik untrennbar miteinander verbunden. Dementsprechend spielt auch im Physikstudium Mathematik eine wichtige Rolle. Das mathematische Handwerkszeug, das für fast alle Physik-Veranstaltungen gebraucht wird, wird in den Veranstaltung „Mathematische Methoden für Lehrämter“ erarbeitet. Sie bereitet vor allem auf die Vorlesungen „Theoretische Physik in 2 Semestern“ vor.

1.3 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Grundlegung

Lehramtsstudierende, die mindestens ein mathematisches oder naturwissenschaftliches Unterrichtsfach studieren, also ihr, müssen im Modul Mathematisch-Naturwissenschaftliche Grundlegung ein wenig über den Tellerrand schauen und die anderen Fächer aus dem Bereich Mathe / Naturwissenschften kennen lernen.

1.4 Fachdidaktik

Innerhalb der einzelnen Unterrichtsfächer studiert ihr auch Veranstaltungen zur Fachdidaktik. Die Fachdidaktik setzt sich einerseits damit auseinander, welche Themen man warum und wann im Unterricht behandeln sollte; andererseits befasst sie sich damit, wie man das Fach verständlich vermitteln kann, also wie man z.B. die Quantenmechanik so reduziert, dass Schüler*innen sie verstehen können, auch wenn sie noch nicht so viel Mathe können, die Darstellung dabei aber auch nicht fachlich falsch wird.

2 Sinnvoller Aufbau des Studiums

Die Teile des Studiums (Unterrichtsfächer und Bildungswissenschaften) sind unabhängig voneinander studierbar; sämtliche Studienverlaufspläne, die euch über den Weg laufen, könnt ihr nicht wirklich ernst nehmen, weil die Termine der Veranstaltungen der einzelnen Fächer nicht aufeinander abgestimmt sind (und bei der Vielfalt der Fächer auch nicht aufeinander abgestimmt sein können). Insofern müsst ihr jedes Semester selbst Veranstaltungen der einzelnen Fächer zusammen puzzeln, was in der Regel aber gut möglich ist, zumal besonders die Bildungswissenschaften flexibel sind.

Im Physik-Bachelor-Studium müssen mindestens die folgenden Module studiert werden:

Modul wird angeboten im Anmerkungen
Experimentalphysik I, II und III I: WS & SS
II: SS
III: WS
Praktikum A WS & SS
Theoretische Physik in 2 Semestern I und II I: WS
II: SS
Mathematische Methoden für Lehrämter WS
Didaktik der Physik I: Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
  • Vorlesung „Einführung in die Fachdidaktik Physik“: WS
  • Schülerlabor: WS und SS
  • Schulorientiertes Experimentieren: je ein Teil im WS und ein Teil im SS
  • Das Modul besteht aus 3 Teilen: Vorlesung, Mitarbeit im Schülerlabor, Praktikum „Schulorientiertes Experimentieren“.
  • Die Mitarbeit im Schülerlabor und dem zugehörigen Seminar begleitet die Vorlesung und kann parallel zur Vorlesung oder später geschehen. Hier sind individuelle Terminabprachen möglich, z.B. sind auch Termine in den Semesterferien möglich.
  • Das Praktikum besteht aus 2 Teilen, die beide absolviert werden müssen und von denen der eine im WS, der andere im SS angeboten wird.
  • Die Informtionen im Modulhandbuch, in KLIPS und auf der Webseite des Instituts für Physik und ihre Didaktik sind in der Regel ein bisschen verwirrend. Im Zweifel bitte explizit nachfragen!
Mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlegung je nach gewählten Veranstaltungen
  • Es können alle entsprechend im Vorlesungsverzeichnis gekennzeichneten Veranstaltungen der Mathematik und der Naturwissenschaften gewählt werden, die nicht zu den eigenen Unterrichtsfächern zählen.
  • Wer 1 mathematisch-naturwissenschftliches Unterrichtsfach studiert, muss mindestens 3 Leistungspunkte erwerben, wer 2 mathematisch-naturwissenschftliche Unterrichtsfächer studiert, 6 Leistungspunkte.
Abschlussmodul: Bachelorarbeit & -kolloquium immer, semesterunabhängig Die Bachelorarbeit kann in den Bildungswissenschaften, einem der beiden Unterrichtsfächer oder einer der beiden Fachdidaktiken geschrieben werden.

  • Wird die Bachelorarbeit in der Physik (fachwissenschaftlich oder fachdidaktisch) geschrieben, müssen für die Anmeldung mindestens 45 Leistungspunkte in der Physik (Fachwissenschaft und -didaktik zusammen) erworben worden sein.
  • Bearbeitungszeit nach Anmeldung: 12 Wochen

Hinweis: Für die Module Experimentalphysik I und Mathematische Methoden werden insgesamt bis zu 10 Klausurversuche gewährt. Alle anderen Klausuren können beliebig oft wiederholt werden.

Auch wenn es wenig explizite Vorschriften gibt (siehe Tabelle), wann bzw. in welcher Reihenfolge die einzelnen Veranstaltungen zu belegen sind, gibt es gerade zu Beginn des Studiums zahlreiche inhaltliche Abhängigkeiten, die bei der Planung des Studiums berücksichtigt werden sollten:

Die Pfeile geben eine sinnvolle Reihenfolge an. In der Regel ist es aber auch möglich, Veranstaltungen, die direkt aufeinander folgen, gleichzeitig zu studieren.

Die fachlichen Veranstaltungen im Bachelor finden an den Physikalischen Instituten an der Zülpicher Straße statt, die Veranstaltungen, die zum Modul „Didaktik der Physik I“ gehören, sind dagegen am Institut für Physik und ihre Didaktik angesiedelt, das ihr im Hauptgebäude der Humanwissenschaftlichen Fakultät findet. Die Veranstaltungen des Moduls  „Mathematisch-Naturwissenschaftliche Grundlegung“ finden an den Instituten der Fächer statt, die nicht eure Unterrichtsfächer sind.

2.1 Hinweise zum Studienaufbau

  • Die mathematischen Methoden werden für fast alle Veranstaltungen gebraucht und sollten deshalb so früh wie möglich studiert werden.
  • Wer mit dem Gedanken spielt, auch den Bachelor of science zu studieren oder als zweites Unterrichtsfach Mathematik hat, sollte statt der Mathematischen Methoden für Lehrämter die „großen“ Mathematischen Methoden besuchen, die für den Bachelor of science gedacht sind. Der Mehraufwand hält sich in sehr in Grenzen.
  • Deutlich mehr Mehraufwand ist es, statt der theoretischen Physik in 2 Semestern die „großen“ Theorievorlesungen in 4 Semestern zu studieren. Dennoch ist dies für Leute, die überlegen, auch den Bachelor of science zu studieren, oder sich (im Master) vertieft mit theoreticher Physik beschäftigen wollen, durchaus empfehlenswert.
  • Inhaltlich können die Praktika gut nach hinten geschoben werden; meist haben fortgeschrittene Studierende auch deutlich mehr davon. In der Regel empfiehlt es sich zudem, mit dem Praktikum in Elektrizität und Optik zu beginnen, weil hier das Schulwissen deutlich weiter trägt. Die beiden Teile des A-Praktikums können aus organisatorischen Gründen normalerweise nicht im gleichen Semester absolviert werden.
  • Immer wieder berichten Studis, dass sie von den Veranstaltungen in den Bildungswissenschaften enttäuscht sind. Das muss nicht sein. Das Veranstaltungsangebot in den Bildungswissenschaften ist wirklich riesig, für jedes Modul gibt es zig verschiedene Veranstaltungen und das Angebot wechselt zudem jedes Semester fast komplett. Wir wagen die kühne Behauptung, dass ausnahmslos für jedeN etwas dabei ist. Die Veranstaltungen sind tatsächlich sehr verschieden – in der Frage des Inhaltes, der Methodik, der politischen Ausrichtung, dem Anspruch etc. Das heißt einerseits: Schaut euch das Vorlesungsverzeichnis genau an. Ist eine Veranstaltung eher bildungsphilosophisch oder empirisch-sozialwissenschaftlich? Werft einen Blick in die Literatur, die im Vorlesungsverzeichnis angegeben ist, bevor ihr euch für oder gegen eine Veranstaltung entscheidet. Geht zu Semesterbeginn in mehrere Veranstaltungen und bleibt nur in der, die euch gefällt, lasst euch nicht von KLIPS vorschreiben, wo ihr hin sollt, sondern geht einfach in die Veranstaltung, fast alle Dozent*innen akzeptieren das nicht nur, sondern begrüßen das. Wartet ein Semester, wenn ihr nichts findet, was euch anspricht. Und wie immer: Redet mit anderen, vor allem mit Leuten, die schonmal eine Veranstaltung beim gleichen Dozenten / der gleichen Dozentin hatten.

3 Dauer des Studiums, Teilzeitstudium, Studienfinanzierung, Studieren mit Kind

Die Regelstudienzeit des Physik-Bachelor-Studiums beträgt 6 Semester. Das heißt, dass es möglich ist, das Studium in 6 Semestern abzuschließen und dass 6 Semester die Zeit ist, für die – falls Verwandte nicht verpflichtet sind, Unterhalt zu bezahlen – in der Regel ein BAFöG-Anspruch besteht. Ein Großteil der Studierenden nimmt sich allerdings mehr Zeit, was aus verschiedensten Gründen sinnvoll sein kann.

Das Physik- und der Bildungswissenschaftsteil des Studiums können im Wesentlichen problemlos in Teilzeit studiert werden (für das andere Unterrichtsfach müsst Ihr dort nachfragen). Zu beachten sind allerdings:

  • Bestimmte Pflichtveranstaltungen, insbesondere das Praktikum A und das Schulorientierte Experimentieren, finden jedes Semester zu den gleichen Terminen statt.
  • Da die Zeit zur Erarbeitung der Bachelorarbeit auf 12 Wochen begrenzt ist, muss während dieser 12 Wochen in der Regel in Vollzeit studiert werden.

Wenn dies zu Problemen führt, lassen die sich meist durch individuelle Absprachen lösen.

Es ist fast immer sinnvoll, einen BAFöG-Antrag zu stellen. Oft besteht auch dann ein Anspruch, wenn es auf den ersten Blick anders aussieht. Bei der Beantragung des BAFöGs helfen die Fachschaft sowie die BAFöG- und Sozialberatung des AStAs. Wenn dennoch kein oder zu wenig BAFöG gewährt werden, gibt es fast immer andere, individuelle Lösungen zur Studienfinanzierung; z.B. gibt es an den physikalischen Instituten zahlreiche studiennahe Hilfskraft-Jobs. Auch hier lohnt es sich, bei der Fachschaft und / oder BAFöG- und Sozialberatung des AStAs nachzufragen.

Infos zum Physikstudium mit Kind

4 Tipps (nicht nur) für den Studienbeginn

  • Für die Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen, für das Bearbeiten von Übungen und die Auswertung der Praktikumsversuche ist es wichtig Arbeitsgruppen zu bilden. Die Inhalte des Physikstudiums müssen ausführlich diskutiert werden, um sie verstehen zu können. Es kann eine Weile dauern, eine funktionierende Arbeitsgruppe aufzubauen. Deshalb ist es sinnvoll, den Studienverlauf gemeinsam zu planen.

  • Oft ist es überfordernd, in Vorlesungen gleichzeitig zuzuhören und mit zu schreiben / sich Notizen zu machen. Bewährt hat sich, Pärchen zu bilden: EineR schreibt mit, die/der andere hört zu. Nach der Vorlesung erklärt die/der ZuhörerIn der/dem MitschreiberIn die Mitschrift. In der nächsten Woche werden die Rollen getauscht.

  • Es ist hilfreich, in Übungen darauf zu setzen, dass nicht nur richtige Lösungen präsentiert werden; vielmehr sollten Studierende darauf setzen, ihre falschen Lösungen und Ansätze, die in eine Sackgasse geführt haben, zu präsentieren und in der Übung zu diskutieren, was der Knackpunkt ist, weswegen sie nicht zielführend sind.

  • Es immer wichtig zu fragen – in der Vorlesung, im Foyer in der Klausureinsicht. Auch wenn es sich nicht so anfühlt: 50% der Anwesenden im Raum haben die gleiche Frage, wirklich!

  • Hilfe, ich verstehe nichts! Das ist ganz normal und kein Grund zum Aufgeben: Anders als in der Schule sind die Veranstaltungen an der Uni nicht dafür gemacht, dass man alles sofort versteht. Vielmehr ist sehr intensive Vor- und Nachbereitung sowie das Rechnen unzähliger Übungsaufgaben notwendig und auch dann muss Einiges manches Semester sacken, bis man es wirklich versteht. Außerdem entwickelt man erst mit der Zeit ein Gefühl dafür, was der Kern / der rote Faden einer Vorlesung ist und was eher Bonus.

  • Zur Vorbereitung auf eure Klausuren gibt es in der Fachschaft Altklausuren, zur Vorbereitung auf mündliche Prüfungen Protokolle alter Prüfungen. Vor allem die Prüfungsprotokolle solltet ihr unbedingt nutzen (Altklausuren nicht ganz so wichtig). Außerdem solltet ihr niemals in eine mündliche Prüfung gehen, ohne vorher mit der Prüferin / dem Prüfer über den Stoff / die Schwerpunkte etc. zu sprechen! Geht einfach bei ihr / ihm im Büro vorbei.
  • Hilfe, ich bin durch die Klausur gefallen! Auch das ist eine ganz normale Erfahrung, beim nächsten oder übernächsten Mal klappt es. Was den Studienverlauf angeht: Nur weil jemand durch eine Klausur gefallen ist, sollte man keine Arbeitsgruppe zerreißen. Klausuren können auch noch mehrere Semester später nachgeholt werden und oft hat man, selbst wenn es zum Bestehen der Klausur nicht gereicht hat, genug mitgenommen, um auf den Stoff aufbauende Veranstaltungen sinnvoll studieren zu können.

  • Die Studienberatung und die Fachschaft können bei der Planung des Studiums und den meisten anderen Fragen weiter helfen. Diese Angebote sollten unbedingt in Anspruch genommen werden.

5 Weitere Infos

 

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