Lehrpreis für Alexander Altland

Als sich abzeichnete, dass im Wintersemester 20/21 keine Klausuren in Präsenz würden stattfinden können, brach in großen Teilen der Uni eine Debatte über Täuschungsversuche los, die im Rahmen von Online-Klausuren zu befürchten seien und zu denen es dann später an manchen Stellen auch kam.
Diskutiert wurden von abgefahrenen Überwachungsmaschinerien über randomisierte Aufgaben bis zu Open-Book-Klausuren verschiedene, mehr oder weniger menschenfreundliche Versuche, das klassische Klausurformat online-tauglich zu machen. Was in der Debatte größtenteils fehlte, waren Formate, die diesen Rahmen verließen und sich den Gründen, aus denen Studierende potenziell abschreiben, wirklich stellten.

Als Antwort auf diese Debatte entwickelten Sie, Herr Altland, zusammen mit Herrn Buchhold, Erklärvideos als neues Prüfungsformat. Dies war mutig, denn das neue Format verzichtet auf Vollständigkeit der abgefragten Inhalte, es erlaubt nicht nur, sondern fördert Kooperation in der Prüfung und es thematisiert das Problem der Prüfungsangst in einem Kontext, in dem der Mainstream vielfach darüber diskutiert hat, dass sich Studierende um Leistung drücken wollen würden.

Das neue Prüfungsformat besteht darin, dass sich die Studierenden typischerweise in Gruppen ein in der Vorlesung und den Übungen bereits bearbeitetes Thema auswählen, dazu einige Aufgaben lösen und diese Lösungen in einem Video erklären, das dann Grundlage für die Bewertung ist. Die Studierenden hatten dafür eine Woche Zeit.

Die positiven Erfahrungen, die mit diesem Format bisher gemacht wurden, zeigen, dass es sich lohnt, Probleme nicht nur immer mit mehr Regeln und mehr Absicherung begegnen zu wollen, sondern der Frage nachzugehen, was denn eigentlich der produktive Aspekt dessen ist, was man üblicherweise mit allen Mitteln zu verhindern versucht, und genau daraus etwas zu machen. Also konkret vom Verhindern der Kommunikation während einer Prüfung zu einem Prüfungsformat, das genau auf diese Kommunikation setzt. Denn tatsächlich ist es für den wissenschaftlichen Prozess wichtig, zu kommunizieren, tatsächlich ist es ein bisschen doof, wenn alle immer wieder Arbeit in dieselben Aufgaben stecken, anstatt an die Arbeit anderer anzuknüpfen, tatsächlich macht Zusammenarbeit, die den verschiedenen Stärken und Vorlieben der Wissenschaftler*innen Rechnung trägt, das Ganze erst produktiv und lebendig. Und tatsächlich ist es ein bisschen unglaubwürdig, wenn man dies zwar predigt und auch genau weiß, dass dies die Forschung voran treibt, in der Prüfung aber genau das Gegenteil einfordert.

Insgesamt sind die Vorteile des Formats:

  • Erhebliche Reduktion der Prüfungsansgt, weil das Video so lange neu aufgenommen werden kann, bis man zufrieden ist und es keine „bösen Überraschungen geben kann“
  • Zeitlich flexible Einteilung und Entlastung der Klausurenphase
  • Förderung der Zusammenarbeit von Studierenden, die dazu führt,
    • dass Studierende gemeinsam die Vorlesung duchgehen und überlegen, welche Bereiche sie vertiefen wollen, und
    • dass Studierende sich Feedback zu Zwischenprodukten geben, die zu Überarbeitungen vor der Abgabe führen und nicht erst die Prüfungsnote das Feedback ist.

Wir begrüßen, dass Sie aus den guten Erfahrungen die Konsequenz gezogen haben, dieses Format fest etablieren zu wollen, und neue Wege gehen und Schritte wagen: Weg von alten Regeln und Restriktionen hin zu neuen Formaten.

Apropos:
Die Veranstaltung, in der das neue Prüfungsformat ausprobiert wurde, ist in ihrer inhaltlichen Konzeption auch bemerkenswert, denn sie ist auch ein Pilot für eine Modernisierung des Curriculums an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Theoretischer Physik, die wir sehr begrüßen und von der wir uns nebenbei einen besseren Studienbeginn im Sommersemester erhoffen.

Anmerkung:
Inzwischen gibt es eine Publikation zur Konzeption des neuen Prüfungsformates und den damit gesammelten Erfahrungen.

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